Wenn nichts zu helfen scheint: Esketamin bei therapieresistenter Depression

Wenn nichts zu helfen scheint: Was Esketamin bei therapieresistenter Depression bedeuten kann

Vielleicht kennen Sie das. Sie haben schon vieles ausprobiert, Medikamente, Gespräche, viel Geduld, und trotzdem will diese Schwere einfach nicht weichen. Wenn eine Depression auch nach mehreren ernsthaften Behandlungsversuchen bestehen bleibt, spricht man von einer therapieresistenten Depression. Für diese Situation gibt es seit Dezember 2019 eine zugelassene zusätzliche Möglichkeit: die Behandlung mit Esketamin, einem Wirkstoff, der als Nasenspray angewendet wird.

Was ist therapieresistente Depression eigentlich?
Von einer therapieresistenten Depression spricht man, wenn mindestens zwei unterschiedliche Antidepressiva in ausreichender Dosis und über einen ausreichenden Zeitraum keine spürbare Besserung gebracht haben, meist in Kombination mit Psychotherapie. Das betrifft deutlich mehr Menschen, als man denkt.

Wie wirkt Esketamin?
Klassische Antidepressiva setzen vor allem am Serotonin- oder Noradrenalinhaushalt an. Esketamin wirkt über einen anderen Mechanismus im Gehirn: Es beeinflusst das Glutamatsystem. Forschende gehen davon aus, dass dabei die Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen angeregt wird.

Wie läuft eine Behandlung praktisch ab?
Esketamin wird als Nasenspray angewendet, direkt in der Praxis und unter ärztlicher Aufsicht. Nach der Anwendung bleiben Sie noch eine Weile in der Praxis, damit Kreislauf und Befinden engmaschig überwacht werden können, bevor Sie wieder in Begleitung nach Hause gehen. Die Behandlung findet über mehrere Sitzungen verteilt statt. Sie ist nicht für jeden geeignet. Ob sie infrage kommt, wird vorher in einem ausführlichen ärztlichen Gespräch geklärt.

Warum die Zeit danach so entscheidend ist
Langfristige Stabilität entsteht nicht durch das Nasenspray allein, sondern auch in der Zeit danach. Esketamin kann ein Fenster öffnen, in dem Veränderung leichter möglich wird. Ob dieses Fenster genutzt wird, hängt stark von der begleitenden Betreuung ab. Deshalb ist Esketamin kein Ersatz für Psychotherapie, sondern eine mögliche Ergänzung dazu.

Wie die Begleitung aussieht
Die Esketamin-Behandlung wird nach einem ärztlichen Vorgespräch in angenehmer Atmosphäre in der Praxis durchgeführt. Wir bieten ergänzend eine gruppentherapeutische Integration sowie Körperarbeit an. 
Auf Wunsch können wir uns mit Ihren weiteren BehandlerInnen (PsychiaterInnen, PsychotherapeuInnen) eng absprechen und austauschen.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine solche Behandlung für Sie infrage kommen könnte, kann das gerne im persönlichen Gespräch geklärt werden.